Eine verlockende Erfahrung, die man sehen und fühlen kann.
Das erste Programm des NDT 2 in dieser Saison feiert unsere Vergangenheit und Gegenwart voller radikaler Entscheidungen und poetischer Eloquenz. In Blast a universe nehmen wir zwei ikonische Werke aus dem NDT-Repertoire wieder auf und präsentieren mit Stolz eine Weltpremiere des Choreografen Noé Soulier.
Jiří Kyliáns skulpturale Arbeit Sleepless (2004) entstand aus seinen Überlegungen zu den vielen schlaflosen Nächten, die Choreographen während des Entstehungsprozesses eines neuen Werks erleben. "Es wäre eine interessante Studie, wenn man alle schlaflosen Nächte und Stunden zusammenzählen würde", sagt Kylián. Inspiriert wurde er auch von den Gemälden des argentinischen Künstlers Lucio Fontana, dem es gelang, mit seinen Werken traditionelle Dimensionen zu durchbrechen und Türen zum Unbekannten in der Kunst zu öffnen.
In Sleepless erforscht Kylián das Bewusste und Unterbewusste in uns, mit komplexen Duetten und ausgefeilter Musikalität; eine Feier von Kyliáns Talent, die Poesie des Körpers für sich selbst sprechen zu lassen.
Nach seinem NDT-Debüt About Now (2023) freuen wir uns, den Choreografen Noé Soulier für eine Weltpremiere wieder bei uns zu haben. Soulier versteht Choreografie als ein Studium der Bewegung: wie Bewegung funktioniert, wie sie in uns eindringt und wie wir sie beobachten. Soulier erklärt seine Herangehensweise: "Ich erforsche, wie eine einzelne Geste zu einer großen physischen Struktur werden kann." Dabei ist ihm die Intelligenz des Körpers wichtiger als das Erzählen einer bestimmten Geschichte. Mit einer Kombination aus experimentellem Techno und natürlichen Klängen des Komponisten Sa Pa verspricht dieses neue Werk eine anregende Erfahrung zu werden, die man nicht nur sehen, sondern auch fühlen kann.
Der assoziierte Choreograf Marco Goecke schuf The Big Crying (2021) kurz nach dem Tod seines Vaters, eines seiner bisher persönlichsten und verletzlichsten Werke. "Es ist eine Kreation über das Abschiednehmen und über alles, was wir zu verbrennen haben", sagt Goecke. Zu der Musik von Tori Amos sehen wir, wie sich die Tänzer wie kaputte Maschinen mit Goeckes charakteristischer komplexer und emotionaler Bewegungssprache bewegen. In The Big Crying geht es um unseren Drang zu leben, selbst in Zeiten von Trauer und Verlust. Wir sind stolz darauf, dieses kraftvolle Werk erneut zu tanzen.